Poker - die Geschichte eines Kartenspiels

vFallmann
Freizeit und Hobby
Dienstag, 26. August 2008

Poker ist ein Überbegriff für eine ganze Familie von Kartenspielen, die üblicherweise mit einem 52 Blatt starken Deck gespielt werden. Die Grundidee beim Poker ist, Geldbeträge oder Spielchips auf die eigene Hand zu setzen ohne dabei genau über die jeweiligen Blätter seiner Gegner Bescheid zu wissen. Für einen guten Pokerspieler sind daher taktisches Spiel, das sogenannte Bluffen und vor allem psychologischer Scharfsinn von größter Bedeutung. Außerdem ist es wichtig, die mathematische Wahrscheinlichkeit seiner Gewinnchancen gut einschätzen zu können.

Das moderne Poker entwickelte sich aus unterschiedlichen europäischen Vorläufern, die bis ins Mittelalter zurückverfolgt werden können. Auch im asiatischen und nordafrikanischen Raum finden sich schon früh Spiele mit gewissen Ähnlichkeiten zum modernen Poker.

Im 19. Jahrhundert trat das Spiel dann schließlich von New Orleans aus seinen Siegeszug über den nordamerikanischen Kontinent an. Die älteste moderne Pokervariante ist dabei das sogenannte Five Card Draw Poker. Diese Spielart entwickelte sich während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, wo sie sich bei den Soldaten auf beiden Seiten größter Beliebtheit erfreute. Neben Five Card Draw wurde vor allem Seven Card Stud am häufigsten gespielt. Diese Spielart, die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts die meistgespielte Pokervariante in amerikanischen Casinos war, nahm ihren Ursprung ebenfalls in der Bürgerkriegszeit.

Wenn wir heutzutage von Pokern sprechen, ist allerdings meistens von Texas Hold’em die Rede. Die Anfänge dieser Pokervariante liegen im Dunklen, soviel allerdings ist bekannt: Hold’em Poker – so wurde es ursprünglich genannt – entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts, angeblich in einer texanischen Kleinstadt namens Robstown. Seinen Einzug in die Casinos von Las Vegas fand das Spiel allerdings erst in den späten 60er Jahren, woran Pokergrößen wie Doyle Brunson und Amarillo Slim maßgeblich beteiligt waren. Wurde das Spiel erst nur in einem einzigen Casino in Las Vegas angeboten, so hat es sich mittlerweile zum absoluten Spitzenreiter unter den vielen verschiedenen Pokervariationen entwickelt. Der Grund dafür ist wohl der besondere Spielablauf von Texas Hold’em: durch eine zusätzliche Wettrunde im Unterschied zu Draw Poker wird bei dieser Pokervariante der strategische Aspekt ungleich stärker betont. Man muss seine eigenen Gewinnchancen und die möglichen Kartenkombinationen seiner Gegner weit besser abschätzen können als bei jeder anderen Variante.

Dadurch ist Texas Hold’em mehr „ein Spiel für Denker“, wie Pokerlegende Doyle Brunson meint. Nicht von ungefähr ist No Limit Texas Hold’em auch die Königsdisziplin in der World Series of Poker (WSOP), dem prestigeträchtigsten professionellen Pokerturnier unserer Zeit.

Das neue Jahrtausend brachte für die Popularität von Poker besonders rosige Zeiten. Wichtige Faktoren für den beispiellosen Beliebtheitsanstieg des Pokerns in den letzten Jahren waren einerseits Chris Moneymaker’s spektakulärer Sieg bei der WSOP 2003, der ihn über Nacht zum Superstar machte. Auch die steigende Präsenz von bedeutenden Turnieren im Fernsehen spielte eine maßgebliche Rolle.

Nicht zu unterschätzen ist jedoch die Bedeutung von Online Pokerräumen für die Popularität des Spiels. Beinahe täglich schossen neue Pokercasinos im Internet empor und brachten das Spiel der breiten Masse näher. Pokerschulen, Spielgeldtische und ähnliche anfängerfreundliche Features halfen tausenden und abertausenden, ihre anfängliche Scheu zu überwinden und alle Feinheiten des Spiels von der Pike auf zu erlernen. Willkommensboni, Gratisturniere und sogenannte Satellitenturniere, über die man sich für professionelle Live-Turniere qualifizieren kann, zählen mittlerweile zum Grundangebot im hart umkämpften Online Poker Markt. Für Sicherheit, Datenschutz und Fairness sorgen dabei einerseits hochentwickelte Programme. Andererseits unterstellen sich alle Online Pokerräume unabhängigen Schlichtungsstellen wie dem IGC (Interacticve Gaming Council).

Es gilt abzuwarten, wie lange der unglaubliche Höhenflug des Pokerns wohl noch fortdauern wird, steigende Spielerzahlen in den Online Pokercasinos, eine erhöhte Medienpräsenz der Pokerszene vor allem im Fernsehen – ebenfalls mit steigenden Zuschauerzahlen – und ein Blick in die Wohnzimmer eines Großteils der männlichen Bevölkerung unter 30, für die Pokerabende mit Freunden mittlerweile als beliebter sozialer Fixpunkt gelten, lassen jedenfalls vermuten, dass der derzeitige Pokerboom noch lange nicht seinen Höhepunkt überschritten hat.

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