Kreditgesellschaft

Steffen
Finanzen
Donnerstag, 8. April 2010

Der Begriff Kreditgesellschaft ist in Deutschland negativ belegt. Kein Wunder, waren Kreditgesellschaften im Deutschen Reich und später zu Zeiten des Nationalsozialismus doch vor allem dazu da, die Geldgeschäfte während des Kriegs zu regeln. Heute könnte der Begriff ein anderes Phänomen beschreiben: Nämlich die Verschuldung der deutschen Bevölkerung. Worte wie Konsumgesellschaft oder Informationsgesellschaft haben sich längst in den Alltag integriert. Und auch der Begriff Kreditgesellschaft passt wie die Faust aufs Auge. Glaubt man den Angaben der Bundesbank, hat jeder deutsche Haushalt durchschnittlich 40000 Euro Schulden. Das liegt auch daran, dass Kredite viel zu einfach zu bekommen und viel zu schnell abgeschlossen werden. Schien es früher unredlich, etwas nicht in bar bezahlen zu können, wird einem heute der Kredit zum neuen Produkt gleich mit serviert. Nach dem Motto: „Per Ratenzahlung könnt ihr alles haben, wovon ihr schon immer geträumt habt“, locken Agenturen Kunden, die das Geld für die Anschaffung eigentlich gar nicht hätten. Die Folgen sind gravierend. Schätzungsweise drei Millionen Haushalte müssen monatlich höhere Raten zahlen, als sie aufbringen können. Und verschulden sich so logischerweise immer weiter. Ist man einmal in diesen Strudel hereingekommen, findet man kaum wieder heraus. Schließlich bleibt das Einkommen meistens stabil, auf Luxus wird zu diesem Zeitpunkt meist schon verzichtet. Das Schlimmste daran ist, dass die Leidtragenden meist unschuldig an der Misere sind. Kinder können nichts dafür, wenn ihre Eltern sich verschuldet haben, müssen aber trotzdem mit den Konsequenzen leben. Auch Mitarbeiter bestimmter Firmen hatten keinen Einfluss auf die Kreditvergabepraxen ihrer Firma. Geht diese aber Pleite, sind sie es, die plötzlich ohne Arbeit dastehen.

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